Umweltmanagementsysteme

Inhalt

Brückenbauwerk in Korea (© Johannes Dimas)
Nach Anzahl der ISO 14001 Zertifizierungen lag Korea 2010 knapp vor Deutschland (UBA)

1   Verbreitung & Erwartungen

Umweltmanagementsysteme (UMS) haben einen weltweiten Boom. Waren es Ende 2001 noch knapp 36.000 Organisationen mit einem ISO 14001-Zertifikat, stieg die Zahl bis Ende 2002 auf 46.800 Organisationen und nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) mit Stand vom 10.08.2010 auf 129.031. Im Jahre 2015 waren weltweit schon rund 320.000 Unternehmen und Organisationen jedweder Größe und Branche nach der Umweltmanagementsystem-Norm ISO 14001 zertifiziert, in Deutschland sind es derzeit rund 8.000 (UBA 2017). Anders verhält es sich bei EMAS (Eco-Management and Audit Scheme). Nach einem Rückgang zwischen den Jahren 2005 und 2012 hat sich die Anzahl der Organisationen inzwischen stabilisiert (UBA 2017). Im Oktober 2016 erfüllten EU-weit 3.943 Organisationen die strengeren EMAS-Anforderungen (UBA 2017).

Die Vorteile eines Umweltmanagementsystems sind vielfältig, die Erwartungen der Unternehmen auch:

 
Einschätzung der Vorteile von Umweltmanagementsystemen (in %)
  Wettbewerbsvorteile neue Märkte erschließen Imageverbesserung Unternehmensabläufe optimieren
ISO 14001 26,6 7,8 36,1 29,8
EMAS 25,8 5,5 37,5 31,3
integrierte QMS/UMS 29,6 7,7 26,5 36,2
Quelle: ifo Institut (2002)
 

2   Wettbewerb & Umsatz

Aus Sicht der Unternehmen spiegelt sich das auch im Wettbewerb und in den tatsächlichen Umsätzen wieder. Umweltmanagement- und nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen schätzen ihre Wettbewerbssituation besser ein als passive Unternehmen, das spiegelt sich auch in den tatsächlichen Umsatzentwicklungen wider (ifo Institut 2002):

 
ifo Institut 2002 - aus: oekoradar.de 2002
Umsatzentwicklung in den letzten zwei Jahren (in %)
  positiv zufriedenstellend unbefriedigend
nachhaltigkeitsorientierte
Unternehmen
41,1 30,9 27,6
umweltmanagement-
orientierte Unternehmen
30,9 26,3 25,3
passive Unternehmen 18,8 34,2 60.1
Quelle: ifo Institut (2002)
 

3   Struktur nach ISO 14001

Die der ISO 14001 zugrundeliegende Struktur ist die des PDCA-Managementkreislaufes (Plan-Do-Check-Act). Als grundlegendes Prinzip wird ein Kontinuierlicher-Verbesserungs-Prozeß (KVP) verfolgt (siehe Abb. unten). Durch den prozeßorientierten Aufbau der ISO 14001 lassen sich die Anforderungen auch mit denen eines Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001 im Rahmen eines Integrierten Managementsystems erfüllen.

Die wesentlichen Merkmale des Aufbaus eines Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 spiegeln sich im Aufbau des Normtextes wider (modifizierter Auszug):

Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem

4.1 Allgemeine Anforderungen

4.2 Umweltpolitik

4.3 Planung
4.3.1 Umweltaspekte
4.3.2 Rechtliche Verpflichtungen und andere Anforderungen
4.3.3 Zielsetzungen, Einzelziele und Programm(e)

4.4 Verwirklichung und Betrieb
4.4.1 Ressourcen, Aufgaben, Verantwortlichkeit und Befugnis
u.a. Umweltbeauftragten bestellen
4.4.2 Fähigkeit, Schulung und Bewusstsein
4.4.3 Kommunikation
(...) Die Organisation muss entscheiden, ob sie über ihre bedeutenden
Umweltaspekte extern kommunizieren will (...)

4.4.4 Dokumentation
4.4.5 Lenkung von Dokumenten
4.4.6 Ablauflenkung
4.4.7 Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr

4.5 Überprüfung
4.5.1 Überwachung und Messung
4.5.2 Bewertung der Einhaltung von Rechtsvorschriften
4.5.3 Nichtkonformität, Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen
4.5.4 Lenkung von Aufzeichnungen
4.5.5 Internes Audit

4.6 Managementbewertung

Definitionen nach ISO 14001:

Umweltmanagementsystem:
Teil des Managementsystems einer Organisation, der dazu dient, um ihre Umweltpolitik zu entwickeln und zu verwirklichen und ihre Umweltaspekte zu handhaben.

Umweltleistung:
Messbare Ergebnisse des Managements der Umweltaspekte in einer Organisation.

Umweltaspekt:
Derjenige Bestandteil der Tätigkeiten, Produkte oder Dienstleistungen einer Organisation, der in Wechselwirkung mit der Umwelt treten kann.

 

Der Kontinuierliche-Verbesserungs-Prozeß (KVP)
Der Kontinuierliche-Verbesserungs-Prozeß (KVP). Quelle: EN ISO 14001:2004 (D/E)
 

4   ISO 14001 und EMAS im Vergleich

Ein Umweltmanagementsystem (UMS) kann als Teil des Managementsystems einer Organisation definiert werden, der dazu dient, die Umweltpolitik der Organisation zu entwickeln und zu verwirklichen und ihre Umweltaspekte zu handhaben (Definition in Anlehnung an ISO 14001:2004).

Anforderungen an UMS werden in der Norm DIN EU ISO 14001 und in der sogenannten EMAS-Verordnung (Eco Management and Audit Scheme) beschrieben. Dabei werden diese beiden europaweit anerkanntesten "Anforderungskataloge" im allgemeinem nicht als gleichwertig angesehen. Vielmehr wird von informierten Kreisen ein UMS nach EMAS, das immer auch die Anforderungen der ISO 14001 hinsichtlich des Managementsystems einbezieht, als das weitergehende oder das "grünere" UMS aufgefaßt.

Die Anforderungen nach EMAS gehen formal u.a. hinsichtlich folgender Aspekte über die der ISO 14001 hinaus:

 
EMAS ISO 14001
Erstellung, Veröffentlichung und Aktualisierung einer geprüften Umwelterklärung ledigl. die Umweltpolitik ist auf Anfrage mitzuteilen
besondere Anstrengungen bzgl. der Einhaltung von Rechtsvorschriften Einhaltung von Rechtvorschriften
besondere Anstrengungen bzgl. der kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung (unter Berücksichtigung indirekter Umweltauswirkungen) Kontinuierlicher Verbesserungsprozeß bezieht sich formal ledigl. auf das Managementsystem (aber: Die Verwirklichung eines Umweltmanagementsystems ist laut Norm auf eine verbesserte Umweltleistung ausgerichtet.)
Verfahren betr. externe Kommunikation und Beziehungen z.T. vorgegeben (Umwelterklärung) und sind zu dokumentieren Verfahren betr. externe Kommunikation und Beziehungen sind selber zu bestimmen und zu dokumentieren
stärkere Mitarbeiterpartizipation weniger starke Mitarbeiterpartizipation
 

Nach der ISO 14001 kann das UMS einer Organisation von einer privaten, akkreditierten Zertifizierungsgesellschaft (z.B. TÜV) im Rahmen eines Audits auf Normkonformität geprüft und ausgezeichnet werden (Zertifizierung).

Nach der EMAS-Verordnung wird durch einen staatlich anerkannten Umweltgutachter sowohl die von der Organisation zu veröffentlichende Umwelterklärung geprüft (Validierung) als auch eine detaillierte Prüfung (Verifizierung) des UMS und der internen Umweltbetriebsprüfung vorgenommen.

Bei der vergleichenden Wertung der Systeme EMAS und ISO 14001 bezüglich ihres "Umweltnutzens" ist jedoch zu beachten, daß es sich bei beiden lediglich um Instrumente zur Durchsetzung von (umweltrelevanten) Vorgaben handelt. Die Einführung und Verbesserung der Umweltmanagementsysteme soll nicht den Selbstzweck der Bemühungen darstellen. Deswegen hängt der tatsächliche Umweltnutzen eines UMS immer von den individuellen Vorgaben und der konsequenten Zielverfolgung von Seiten der Organisation ab!

Doch wie stellt sich der Vergleich für die Organisation selber dar? - Zunächst seien einige allgemeine Motive von Organisationen für den Aufbau eines UMS angeführt:

Im Allgemeinem wird die Einführung und Aufrechterhaltung eines nach EMAS anerkannten UMS in der Regel aufwendiger und teurer als bei einem nach ISO14001 zertifizierten System eingeschätzt. Das liegt unter anderem an den mit EMAS verbundenen, höheren Gebühren (z.B. Eintragung bei den IHK's) und an dem höheren Aufwand durch die Pflicht zur Erstellung und Aktualisierung einer Umwelterklärung, die durch einen Umweltgutachter validiert werden muß. Zwar wird von informierten Kreisen die EMAS-Anerkennung in der Regel höher wertgeschätzt als eine ISO-Zertifizierung - es bleibt aber die Frage, ob die Kunden und Anspruchsgruppen einer Organisation auch zu diesen informierten Kreisen zählen.

Insbesondere bei außereuropäisch tätigen Unternehmen stellt sich die Frage, ob eine ISO-Zertifizierung nicht auf eine höhere Bekanntheit und breitere Anerkennung stößt. Die Anfertigung, Aktualisierung, Validierung und Veröffentlichung der recht ausführlichen Umwelterklärung werden von EMAS für die Öffentlichkeit und sogenannte "Interessierte Kreise" gefordert. Hier gilt es zu klären, ob von der Öffentlichkeit und den sogenannten "Interessierten Kreisen" diese Informationen tatsächlich auch abgefragt werden. Der Aufwand und die Preisgabe ursprünglich organisationsinterner Informationen macht dann wenig Sinn, wenn sich die Interessierten Kreise auf Studenten des Faches, Konkurrenten und Organisationen, die eine Vorlage für ihr UMS suchen, beschränkt.

Die gegenüber der ISO 14001 formal weiter gefaßten Ziele der EMAS-Verordnung können bei entsprechender Zielverfolgung auch mit einem UMS nach ISO 14001 realisiert werden. Schließlich handelt es sich um ein recht frei auszugestaltendes Instrument. Gegenüber einer "EMAS-Verwirklichung" eingesparte Ressourcen können dann ggf. rationeller für die Verfolgung selbst gesetzter Ziele eingesetzt werden.

Vor der Entscheidung für eines der beiden Systeme - oder für die gleichzeitige Umsetzung beider Systeme - sollte eine Kosten-Nutzen-Betrachtung durchgeführt werden. Diese sollte auch eine Abschätzung oder Evaluierung hinsichtlich des öffentlichen Interesses und der Interessenlage von Seiten "tatsächlich" Interessierter Kreise einschließen.

5   Umweltmanagementansätze (UMA)

"Umweltmanagementansätze" (UMA) verwirklichen lediglich Ansätze eines Umweltmanagementsystems (UMS). Dabei werden einzelne, ausgesuchte Bestandteile bzw. Vorteile eines Umweltmanagementsystems generiert, ohne ein vollständiges Umweltmanagementsystem einzuführen. Vorrangige Zielvorgaben eines Umweltmanagementansatzes können beispielsweise die kurz- bis mittelfristige Ausschöpfung von Kostenminimierungspotentialen (durch Umweltentlastung) und die Einhaltung gesetzlicher Auflagen sein (Rechtskonformität).

Um einzelne positiven Effekte eines Umweltmanagementsystems zu erzielen, werden dafür auch ausgewählte Methoden von Umweltmanagementsystemen angewandt. Ein Umweltmanagementansatz kann gezielt als Wegbereiter für die spätere Einführung eines Umweltmanagementsystems vorgeschaltet werden, um z.B. durch erste Erfolge die Akzeptanz innerhalb der Organisation zu erhöhen, die (Methoden-) Kompetenz zu stärken oder ausgewählte Vorteile eines Umweltmanagementsystems schon im Vorwege nutzen.

Beispiele für Umweltmanagementansätze sind der "Grüne Gockel" und "ÖKOPROFIT ®".

Management- bzw. Umweltmanagementansätze können das Fundament für eine ganze Reihe von darauf aufbauenden Managementsystemen (MS) bilden (siehe Integrierte Managementsysteme).

6   Integrierte Managementsysteme (IMS)

Die Normen ISO 9001 für Qualitätsmanagementsysteme und ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme sind miteinander abgeglichen worden, um die Verträglichkeit beider Normen zum Vorteil der Anwender zu erhöhen. Die Entsprechungen, speziell der prozeßorientierte Ansatz, ermöglichen eine integrative Umsetzung beider Normen.

Eine solche integrative Umsetzung erfolgt in einem Integrierten Managementsystem (IMS), daß weitere Aspekte, wie z.B. das Arbeitsschutzmanagement, einschließen kann. Im angelsächsischem Sprachraum sind die Abkürzungen HSEQ und besonders HSE für Integrierte Managementsysteme bekannt. HSEQ (oder auch QHSE) steht für "Health, Safety, Environment & Quality" und HSE für "Health, Safety & Environment".

Das Haus der Managementsysteme (© Johannes Dimas)
Das Haus der Managementsysteme

Mit einem integrierten Managementsystem können personelle Ressourcen gespart und Widersprüche in der Dokumentation oder bei Arbeitsanweisungen, z.B. zwischen den qualitäts- und umweltbezogenen Anforderungen, vermieden werden. Ein weiterer Vorteil kann eine gemeinsame Auditierung der qualitäts- und umweltmanagementbezogenen Aspekte des Managementsystems darstellen.

Das "Haus der Managementsysteme" in der Abbildung rechts deutet schon an, daß die einzelnen Systeme aufeinander aufbauen und sich ergänzen können. So kann z.B. ein Umweltmanagementansatz (UMA) einer Organisation das Fundament für einen weiteren Ausbau des Systems hin zu einem normbasierten Managementsystem bilden.

Bestehende Managementsysteme können als "Integrierte Managementsysteme" (IMS) aufeinander abgestimmt werden. Werden mit dem System umfassendere Zielstellungen verbunden - zum Beispiel das einer "Nachhaltigen Entwicklung" - wachsen die erforderlichen Systeme aus dem durch Normen leicht faßbaren Bereich heraus. Solchen Managementsystemen wird in der Regel nicht mehr durch Zertifizierung die Einhaltung von definierten Standards bzw. Normen bescheinigt. Hier haben sich andere Formen der Anerkennung etabliert: zum Beispiel die Verleihung von Preisen wie den "Deming Prize" oder den "European Quality Award" (EQA). Inzwischen haben Akkreditierungsgesellschaften, wie z.B. der TÜV, nachgezogen und entsprechende Standards entwickelt (z.B. zum TQM).

7   Quellen

ifo Institut (2002) aus oekoradar.de (2002): www.oekoradar.de

UBA UMWELTBUNDESAMT (2017): Umwelt- und Energiemanagementsysteme.- 15.02.2017, www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/umwelt-energiemanagementsysteme, 14.09.2017